Wie intelligent ist die Künstliche Intelligenz wirklich und wie kommt die Intelligenz in die „KI“? Beim diesjährigen EDV-Gerichtstag in Saarbrücken haben Insider aus den führenden juristischen Fachverlagen das streng gehütete Geheimnis gelüftet.
Problem: Kurzsichtigkeit
Komplexere juristische Sinnzusammenhänge sind für die sprachbasierten KI-Systeme bisher kaum erkennbar. Das führte in der Folge unweigerlich zu juristisch unbefriedigenden Antworten für den Anwender. Sollte der „User“ (leichtsinnigerweise) das Ergebnis der KI-Recherche ungeprüft verwenden, beispielsweise im Rahmen einer Hausarbeit oder gar eines anwaltlichen Schriftsatzes, könnte das unerfreuliche Folgen haben.
Lösung: Eine Sehhilfe für KI-Systeme
Die Anbieter der juristischen KI-Systeme fanden eine Lösung für das leidige Problem der KI-Fehlsichtigkeit: Menschliche Intelligenz muß das systembedingte Manko der Sprachanalyse wie eine Brille die Fehlsichtigkeit korrigieren.
„Wissens-Graphen“ heißen die von den Fachverlagen entwickelten Sehhilfen für KI-Systeme. Dabei sorgen Experten mit einer Art „Zusammenhangs-Checklisten“ in den KI-Modulen dafür, dass auch sprachlich nicht erkennbare, aber relevante, Aspekte bei der Antwort berücksichtigt werden.
Pfuschzettel 4.0
Diese Qualitätsverbesserung ist eigentlich eine gute Nachricht, nur nicht für Lehrende in Hochschulen. Wie sollen diese in der Zukunft Hausarbeiten bewerten? Der „Pfuschzettel“ ist hier in ganz neue, bisher unbekannte Dimensionen vorgedrungen!
Auch für juristische Praktiker wird die Versuchung größer, KI-generierte Inhalte ohne eigene Prüfung zu übernehmen, da diese immer besser werden. Die menschliche Bequemlichkeit findet immer eine Entschuldigung (Zeitdruck!) um auf die eigentlich unverzichtbare Überprüfung zu verzichten.
KI: Fluch oder Segen?
Bereits im Jahr 1797 schrieb ein Mann namens Johann Wolfgang von Goethe, der offensichtlich im Besitz einer Glaskugel war, die Ballade „Der Zauberlehrling“. Da heißt es: „Die ich rief, die Geister — Werd’ ich nun nicht los“. Angesichts der anhaltenden KI-Euphorie sollten die Tech-Gläubigen diese Ballade unbedingt lesen, um nicht zum „Knecht“ einer Technik zu werden, deren Auswirkungen bisher noch nicht vollständig erkennbar sind.
